Sonntag 21. Oktober 2018

Achtungserfolg für das Team des ÖBSV bei erstmaliger Teilnahme an zentraleuropäischer Liga

Die Zeichen für die erste Teilnahme einer österreichischen Blindenfußball-Mannschaft an der zentraleuropäischen Blindenfußball-Liga standen definitiv nicht allzu gut. Eine Panne des Mietfahrzeugs bedeutete erhebliche Verzögerungen zum Start ...

Die Zeichen für die erste Teilnahme einer österreichischen Blindenfußball-Mannschaft an der zentraleuropäischen Blindenfußball-Liga standen definitiv nicht allzu gut. Eine Panne des Mietfahrzeugs bedeutete erhebliche Verzögerungen zum Start der mehrstündigen Fahrt mit dem Kleinbus, was zur Folge hatte, dass die Mannschaft sehr spät, müde und erschöpft in Prag ankam

 

Trotz der widrigen Umstände war der erste Tag auf sportlicher Ebene zufriedenstellend. Leider fehlte im entscheidenden Moment etwas das Glück, bzw. kam oft auch noch eine große Portion Pech dazu. Am Ende des Tages standen die Österreicher ohne Punkte und mit einem einzigen Treffer nach drei Partien da. Trotzdem war in Bezug auf die Leistung in jedem Spiel auch ein Sieg oder zumindest ein Remis nicht unrealistisch.

 

Eine gravierende Umstellung für die Mannschaft war anfangs auch eine etwas anfängerunfreundliche Regeländerung. Üblicherweise bedeuten im B1-Fußball fünf Teamfouls, dass es beim nächsten Teamfoul einen Strafstoß für das Gegnerteam gibt. In den neu beschlossenen Regeln für die zentraleuropäische Liga ist dies jedoch bereits nach drei Teamfouls der Fall. Teamfouls im B1-Fußball unterlaufen tendenziell unerfahreneren Teams, was für uns als mit Abstand neuestes Team ein klarer Nachteil war und leider unseren Gegnern auch mehrere Strafstöße bescherte. Dennoch war die Darbietung unserer Mannschaft auf dem Rasen erfreulich, weshalb das Team auch erhobenen Hauptes in den zweiten Spieltag ging. Dieser versprach auf dem Papier allerdings wesentlich schwieriger als der Vortag zu werden.

 

Im ersten Spiel am zweiten Tag konnte die Mannschaft bis zu dem Zeitpunkt die beste Leistung im Turnier zeigen und trennte sich mit einem 0:0 Unentschieden vom Vorjahreszweiten, TYNIECA Kraków. Die Österreicher konnten einen überwältigenden Vorteil im Ballbesitz erspielen, was insbesondere Mittelfeldanker Paulin Nomy geschuldet war, der regelmäßig gegnerische Spielzüge bereits bei der Mittellinie abfangen konnte. Ärgerlicherweise blieb es durch das mehrmalige Vereiteln von sichergeglaubten Treffern durch den polnischen Nationaltorhüter Krystof Bednarcziek am Ende trotzdem bei der Null am Trefferkonto. Es war ein Spiel in dem jede Spielerin und jeder Spieler konzentriert zusammen und sowohl für-, als auch miteinander spielten. Auch wenn am Ende keine drei Punkte geholt wurden, war es eine taktisch dominante Vorstellung. Das Team konnte in der Partie zeigen, dass man nicht nur mit den Besten in Mitteleuropa mitspielen kann, sondern diese auch phasenweise an die Wand spielen kann. Selbst der im Publikum anwesende englische Nationaltrainer fühlte sich gezwungen im Anschluss zur Mannschaft zu kommen um seinen Respekt zu zollen. Da den SpielerInnen bis zum nächsten Spiel nur eine einstündige Pause anberaumt wurde, mussten sie sich mit einer kurzen Regenerationsphase anfreunden, ehe es gegen den Vorjahressieger, Tabellenführer und glasklaren Favoriten AVOY MU Brno um drei Punkte gehen sollte. Obwohl man der Mannschaft des „ÖBSV Vienna“ die Erschöpfung und das Nagen an den Kraftreserven anmerkte, führten eine hochdisziplinierte Vorstellung und etwas Glück bei einem Stangenschuss zu einem beachtlichen Halbzeitstand von 0:0. Trotz einiger gefährlicher Entlastungangriffe durch Stürmer Mustafa Hosgören, kontrollierte das weitaus erfahrenere Team aus Tschechien über große Teile die zweite Hälfte. Die Defensive bestehend aus Bettina Sulyok, Mario Grillmeier und Alphonse Lekanga wusste aber durchgehend den gegnerischen Angriffen Paroli zu bieten und kämpften konzentriert bis zur letzten Minute um jeden Ball.

 

Aufgrund der bereits vorhin erwähnten strengeren Regeln in Bezug auf Teamfouls, fand sich das Team bittererweise wenige Momente vor Schlusspfiff mit einem Strafstoß für den Gegner konfrontiert. Zwei Halbzeiten des Durchbeißens mit den letzten Kräften drohten unbelohnt zu bleiben, wenn der Gegenspieler den Ball vom Punkt in Netz bringen würde. Erfreulicherweise konnte Torfrau Tanja Hengl dem Strafstoß dann aber entspannt dabei zusehen, als er deutlich am Tor vorbeirollte und die Mannschaft des österreichischen Behindertensportverbandes einen Achtungserfolg im letzten Spiel feiern konnte. Nach diesem sehr spannenden Wochenende kann man mit Sicherheit sagen, dass Österreich im B1-Fussball endgültig in Europa angekommen ist. Wir freuen uns jedenfalls schon auf die nächsten Spiele – diese werden Mitte Oktober in Brünn gespielt. Ein großes Dankeschön gilt den Organisatoren des Events, Bohemians Praha, ebenso wie Charly Mayr und Matias Costa vom ÖBSV, ohne deren Hilfe wir diesen wichtigen ersten Schritt nicht hätten machen können.





Österreichischer Behindertensportverband (ÖBSV)
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