Donnerstag 16. August 2018

Torballer Andreas Bergmann zieht es nach Kärnten

Plötzlich verschwand das Augenlicht

Am Ende der Volksschule wurde sein Augenlicht schwächer, mit 26 Jahren erblindete er vollends.  Nach der 1. Klasse Hauptschule in Sillian folgte die Blindenschule Innsbruck, danach Lehrgänge in Wien im Bereich Telefonisten- und Stenographieausbildung. Von 1999 bis Jänner 2018 war er Telefonvermittler und Schreibkraft in Diensten der Gendarmerie und später Polizei  in Innsbruck. Nebenbei suchte Bergmann sportliche Betätigung und fand sie im Torball für Blinde. „Wir wurden in dieser Sportart sogar einmal Weltmeister“, erzählt er stolz. Auf einer Sportwoche für Blinde in Obertraun traf ihn Amors Liebespfeil.

 

Familienglück in Radnig

Dort verliebte er sich in Kathrin, die als Begleitsportlerin eingesetzt war. Im August 2015 wurde geheiratet, mittlerweile komplettieren Sohn Liam (3) und Baby Lina das Familienglück.  Eine Pflegesituation zwang nun zum Umzug von Tirol nach Radnig in das Haus der Schwiegereltern. Für Bergmann eine gravierende berufliche Veränderung. „Mein erster Wunsch war ein Telearbeitsplatz in Lienz“. Die Polizei Tirol lehnte aber ab. Daraufhin schrieb Bergmann dem damaligen Innenminister Wolfgang Sobotka. Der Minister veranlasste im Einvernehmen mit der LPD Kärnten die Versetzung Bergmanns  nach Hermagor. „Wird man mich in Hermagor akzeptieren?“, fragte sich der Vetragsbedienstete insgeheim. Heute, nach fünf Wochen strahlt er Begeisterung und Freude aus. „Ich fühle mich sehr gut aufgenommen und aufgehoben, alle sind hilfsbereit, ob in Hermagor oder in der LPD Klagenfurt“.  Inspektionskommandant Peter Allmaier: „Andreas wurde in unser Team voll integriert, er wertet die Sozialkompetenz unserer Dienststelle enorm auf“. Erste  behindertengerechte Adaptierungen wurden bereits umgesetzt.  Bergmann steht konkret in Diensten der Landespolizeidirektion, er ist  Sachbearbeiter für den Aufgabenbereich Gemeinsam.Sicher (GESI) und Regionales Dialog Forum (RDF) Kärnten. Oberst Wolfgang Gabrutsch dazu: “Bergmann bildet die Schnittstelle zwischen Bundesländerkoordinator und den Sicherheitskoordinatoren wie den Büros, den Abteilungen und Referaten in der LPD Kärnten für diese Aufgabengebiete”. Er arbeitet auf einer hochtechnischen,  blindengerechten PC-Anlage mit Audioübersetzung von Bildschirmtexten und Brailleschrift-Eingabe.

 

Weltmeisterliche Geschwister

Bergmann fährt mit dem Bus von Radnig nach Hermagor und geht zu Fuß zur Dienststelle. „Für Behinderte wäre in Hermagor noch einiges zu tun“, schmunzelt er. Seine vier älteren Geschwister sind aufgrund eines Gendefektes ebenfalls blind. „Alle kommen damit gut zurecht, Bruder Jakob brachte es sogar zum Weltmeister auf der steirischen Harmonika“. In Radnig fühlt er sich wohl. „Ich brauche Ruhe, in den Garten gehen, Vögel singen zu hören ist für mich eine Wohltat. Lärm belastet mich sehr“. Sport ist für Bergmann nach wie vor Elixier.  Alle 14 Tage fährt er  zu Torball-Matches nach Lienz. Gattin Kathrin ist immer dabei. Muß sie auch, die Blinden-Sportgruppe braucht sie quasi als ihr Augenlicht. Denn Kathrin ist  geprüfte Torball-Schiedsrichterin, also eine Pfeifenfrau. Und sie pfeift ihren sportbegeisterten Andreas dann und wann energisch zurück.

 

Quelle: Journal Gailtal

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