Freitag 24. November 2017

  

Zuallererst versteht man - auch auf internationaler Ebene - Blindensport (blind sport) als kurzen und einprägsamen Begriff für „Sport für stark sehbehinderte und blinde Menschen". Dies ist somit keine Diskriminierung sehbehinderter, aber nicht blinder Menschen, sondern nur eine sprachliche Erleichterung, die zugegeben - für nicht Eingeweihte - immer dieser Erläuterung bedarf.
Blindensport ist aus mehreren Gründen keine willkürliche Assoziation sportlich Interessierter, die zufälligerweise blind oder stark sehbehindert sind:

  • Menschen lernen durch Nachahmung: Ab einem gewissen Grad an Sehschwäche kann man von anderen Menschen nichts mehr „abschauen" und nachmachen. Darum müssen solche Menschen gezielt trainiert werden, um bestimmte Dinge „richtig" oder überhaupt machen zu können (zB einen Ball werfen).
  • Menschen brauchen Bewegung: Viele Formen der Bewegung sind für blinde Menschen, aber auch für Sehbehinderte, alleine unmöglich oder sehr gefährlich, zB Laufen, Radfahren, Skifahren .... Sie brauchen darum Begleiter.
  • Moderne Menschen machen zuwenig Bewegung: So wie alle sind auch Blinde oft bewegungsfaul bzw. bietet der Arbeitsalltag wenig Bewegungsabwechslung. Blinde sind besonders gefährdet, weil sie sich schwerer allein sportlich betätigen können und vorwiegend sitzende Berufe ausüben, damit mehr Ausgleich benötigen.
  • Menschen brauchen den Vergleich mit anderen: Sport ist nicht die einzige, aber eine der geeignetsten Möglichkeiten, sich spielerisch zu messen. Viele „völlig" gesunde Menschen sehen darin einen bloßen Konkurrenzkampf, ein immer Besser-Sein-Wollen u.ä. - das ist mitunter auch der Fall. Für behinderte, besonders für blinde Menschen kommt aber hinzu, dass sie im Alltag wenig Vergleichsmöglichkeiten haben, bzw. sich oft nur als Bittsteller und Hilfloser empfinden müssen. Selbstwert kann sich nur entwickeln, wenn ein Maß zur Verfügung steht und die Möglichkeiten, sich und seine Fähigkeiten zu entwickeln und zu steigern - Sportskollegen sind dann nicht Konkurrenten, sondern auch Maßstab, wo man sich einordnen kann, Freunde, mit denen man sich weiterentwickeln und sich daran erfreuen kann.
  • Nicht alle Augenerkrankungen lassen alle sportlichen Betätigungen uneingeschränkt zu, weil Erschütterungen, Stöße oder hohe Anstrengungen das Auge in seiner Funktionalität beeinträchtigen können. Das Gefahrenpotential muss vom Facharzt geklärt werden! Wobei ein Bewegungsverbot niemals verordnet werden kann, weil es dem Menschen insgesamt mehr schadet als damit Sehkraft erhalten werden kann.
  • Schließlich gibt es auch Sportarten, die nur „blind" ausgeführt werden „dürfen", wie Torball oder akustisch gesteuertes Sportschießen. Auch das hat seinen Reiz, wenn normalsehende mit verbundenen Augen die Welt eines Blinden erleben können - in der vieles zu laut und manches zu leise geworden ist!

Innerhalb des Blindensports ist es somit möglich, sehr viele Aktivitätsbedürfnisse von Sehbehinderten abzudecken, von der Leichtathletik, über Schwimmen, Skifahren bis hin zum Schießen oder Kegeln.
www.blindensport.at soll eine Plattform sein, allen Sehbehinderten, die sportlich aktiv sein wollen, eine Auswahl an Sportarten, Trainingsgruppen, Vereinen und Veranstaltungen anzubieten oder bekannt zu machen.

Dies ist eine ständige Aufbauarbeit - bitte unterstützen Sie uns dabei!

    

  

Aufgaben des Kompetenz-Gremiums Blinden- und Sehbehindertensport 

  • Servicestelle für alle behindertenspezifischen Sportinteressierten in ganz Österreich.
  • Anlaufstelle für Schulen, Eltern etc. in behindertenspezifischen Fragen und Problematiken in Bezug auf Sport und Bewegung.
  • Durchführung von Aus- und Fortbildungen von Schiedsrichter, Betreuer, Übungsleiter, Begleitsportler, Klassifizierer, etc.
  • Organisation bzw. Vermittlung von fachlich versierten Personen für integrativ beschulte Kinder und Jugendliche bei Schulsportveranstaltungen und ähnlichen.
  • Die KG halten Kontakt zu den internationalen behindertensportspezifischen Organisationen und Verbänden und arbeiten aktiv an der Entwicklung derer mit. Dies beinhaltet auch die Entwicklung neuer Sportarten, die Erstellung von Regelwerken, Klassifizierungsrichtlinien, etc.
  • Sportentwicklung und Entwicklung neuer Sportarten
  • Breitensport mit Entwicklung zum Wettkampf bzw. Hinführung zum Leistungssport, gegebenenfalls Weitergabe an kooperierende FV (Inklusion). Sollte dies nicht möglich sein, muss dafür ein entsprechendes Angebot von den KG geschaffen werden.
  • Leistungssport in behindertenspezifischen Sportarten (Goalball, Rollstuhltanzen, Boccia usw.)
  • Gesundheitssport (Kinder/Jugend u. Seniorensport)
  • Organisation und Durchführung behindertenspezifischer Turniere, Cupveranstaltungen, Österreichische Meisterschaften, Österreichische B-Meisterschaften, Staatsmeisterschaften, sowie Schaffung eines umfangreichen Angebotes an überregionalen Sportwochen und sportartspezifische Trainingskurse.

 

Medizinische Klassifizierung

Es wird in 3 Klassen eingestuft:

  • B1 = Keine Lichtempfindlichkeit auf beiden Augen bis zu Lichtempfindlichkeit, jedoch unfähig, Umrisse oder eine Hand in irgend einer Entfernung oder Richtung wahrzunehmen.
  • B2 = Von der Fähigkeit, die Umrisse einer Hand zu erkennen bis zum Sehvermögen von 2/60 und/oder einem Gesichtsfeld von weniger als 5°.
  • B3 = Von einem Sehvermögen über 2/60 bis zu 6/60 und/oder einem Gesichtsfeld von mehr als 5° und weniger als 20°.

Alle Klassifikationen werden beim besseren Auge und mit bestmöglicher Korrektur durchgeführt. Unabhängig davon, ob Gläser bzw. Kontaktlinsen während der Sportausübung getragen werden. Die Sportler werden national von Augenfachärzten eingestuft. Nimmt ein Sportler an einer internationalen Großveranstaltung teil (EM, WM oder Paralympics), wird die Klassifizierung von einer authorisierten Person der IBSA (International Blindsport Association) vorgenommen.

  





Österreichischer Behindertensportverband (ÖBSV)
Kompetenz-Gremium Blinden- und Sehbehindertensport
Brigittenauer Lände 42
1200 Wien
Fon: +43 1 33 26 134

[IMPRESSUM]
http://www.blindensport.at/